Gehirn

Das Gehirn, Ergebnis der Evolution

Entstehung, Aufbau und Daten

Es gibt im gesamten Universum kein Gebilde, das komplexer ist als unser Gehirn, jedenfalls nach dem heutigen Wissensstand. Auch die Ergebnisse seiner Funktionen sind unübertroffen vielschichtig und vielseitig, ob schön oder häßlich, erfinderisch oder absurd. Alles, was Menschen und Menschheit ausmacht, beruht auf ca. 1300 Gramm Eiweiß, das in einem Gebilde nicht größer als eine Grapefruit konzentriert ist. Darin finden die entscheidenden Vorgänge in einer nur zwei Millimeter dünnen Schicht, der Großhirnrinde, statt. In jedem Kubikmillimeter sitzen rund 40 000 kleine graue Zellen, die untereinander mit rund fünf Kilometern hauchdünner Nervenleitungen verbunden sind.

Das Gehirn hat sich innerhalb der Evolution erst nach und nach gebildet. Im Inneren liegen die entwicklungsgeschichtlich ältesten Teile, die nach außen immer weiter ergänzt wurden, bis schließlich ganz außen als letzte Erfindung der Evolution
Das Gehirn, interaktiv
die Großhirnrinde entstand. So besteht unser Hirn heute aus verschiedenen Teilen, die unterschiedliche Aufgaben erledigen, aber untereinander eng verbunden sind.

Das Stammhirn (Medulla) ist der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil. Es entstand schon vor rund fünfhundert Millionen Jahren. Weil es dem Hirn der Reptilien ähnelt, nennt man es manchmal auch das Reptilienhirn. Es dient vor allem dazu, die lebensnotwendigen körperlichen Grundfunktionen wie Herzschlag und Atmung aufrechtzuerhalten. Außerdem regelt es die unbewußten Bewegungen wie Kauen, Schlucken, Verdauung und koordiniert sie untereinander.

Hinter dem Stammhirn liegt das Kleinhirn (Cerebellum). Es ist verantwortlich für die Bewegungs-steuerung. So reguliert es die Körperhaltung, die Bewegung der Gliedmaßen und der Augen und ist beteiligt beim Erlernen von motorischen Fähigkeiten.

Entwicklungsgeschichtlich etwas jünger ist das limbische System. Es entstand vor etwa zwei- bis dreihundert Jahrmillionen. In Säugetieren ist es besonders hoch entwickelt. Neben seiner Aufgabe, die Körpertemperatur, den Herzschlag, den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel zu regulieren, sorgt es vor allem für die instinktiven emotionalen Reaktionen, die für unser Überleben notwendig sind (Kampf oder Flucht).  Obwohl diese Region nur die Größe einer Erbse hat, steuert sie Hunger, Durst und sexuelles Begehren. Die Hormone der Hirnanhangdrüse beeinflussen außerdem das Wachstum, die Produktion von Sperma und Eizellen und die Färbung der Haut.

Der größte Teil des menschlichen Gehirns ist aber das Großhirn. Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die jeweils die gegenüberliegende Körperhälfte kontrollieren. Die beiden Hemisphären sind durch einen Balken von Nervenbahnen (Corpus Callosum) miteinander verbunden. Über ihn tauschen die beiden Hälften Informationen untereinander aus und können deshalb zusammenarbeiten.
Bestimmte Fähigkeiten sind in den beiden Hälften des Gehirns unterschiedlich stark entwickelt. So ist die linke Hemisphäre vor allem für die Sprache, für sprachliche Fähigkeiten und für logische Aufgaben zuständig. Die rechte Hälfte hingegen ist verantwortlich für nicht sprachliche Fähigkeiten, für das Erkennen von Gesichtern und für die räumliche Vorstellung.

Die vielfach gefaltete Oberfläche des Großhirns – volkstümlich Hirnwindungen genannt – ist bedeckt von einer dünnen Schicht, der Großhirnrinde (Cortex). Sie entstand erst vor rund zweihundert Millionen Jahren. Zunächst blieb sie aber relativ einfach; erst mit dem Aufkommen von Säugetieren vor rund 65 Millionen Jahren entwickelte sie eine kompliziertere Struktur. Der Mensch hat eine rund sechsmal so große Großhirnrinde wie der Schimpanse.

Die innerhalb der vergangenen Jahrzehnte betriebene Erforschung des Gehirns, besonders seines inneren Aufbaus und seiner Funktionen führte zu der Erkenntnis, daß Geist und Seele, jahrhundertelang als Phänomene angesehen, die mit dem Körper nichts zu tun haben, Ausdruck körperlicher Gegebenheiten sind, die durch das Zusammenwirken von Nervenzellen in unserem Gehirn erzeugt werden. Die Verdrahtung, d. h. die Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn bestimmen unser Denken, Fühlen und Handeln.

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