Bauherren–Achtung!

Bauherren – Achtung!
Sorry, ich will Niemandem zu nahe treten. Aber ich muß zugeben, daß mich Folgendes auch für meine Person nachdenklich gestimmt hat. Aber wie immer im Leben, „eine erkannte Gefahr ist nur noch eine halbe Gefahr.“ Und in diesem Sinn liegt mein Optimismus. Ist es auch der Ihre?

http://bit.ly/XAS71H
Kennen Sie Menderes Bagci? Menderes Bagci ist siebenmal beim Casting zu “Deutschland sucht den Superstar” angetreten. Jedes Mal hat Bagci vor seinem Auftritt in die RTL-Kameras gestrahlt und gesagt: “Ich weiß, dass ich es schaffe, ich bin ein guter Musiker, ein echt guter Sänger.” Jedes Mal hat Dieter Bohlen Bagci auf gewohnt uncharmante Art rausgeschmissen.

Ebenso, wie viele Arbeitnehmer (und auch Manager!) in der Wirtschaft, leidet Bagci nämlich an einer Wahrnehmungsstörung. Es ist ein relativ häufiges psychologisches Phänomen, und seit elf Jahren hat es einen Namen: Dunning-Kruger-Effekt, kurz DKE. Die Theorie des DKE besagt,
dass inkompetente Menschen zu inkompetent sind, um ihre eigene Inkompetenz zu erkennen – und sich deshalb selbst für kompetenter halten als andere.

Es erwischt jeden

DKE tritt bei allen Menschen irgendwann einmal auf (siehe auch das Peter-Prinzip), bei manchen häufiger als bei anderen. Es findet auch in allen Abteilungen eines Unternehmens statt, und am schönsten, findet der Sozialpsychologe David Dunning, lässt es sich im M&A-Geschäft (deutsch: Fusionen und Übernahmen) verdeutlichen. “CEOs und Vorstände fallen dem Effekt regelmäßig anheim, wenn es um Übernahmen anderer Firmen geht”, sagt er. “Sie kaufen diese Firmen, weil sie denken, dass sie sie besser führen können als jene, die es bisher getan haben. Sie gehen davon aus, dass die Aktien unter ihrer Führung steigen.” Überflüssig anzumerken, dass das allzu oft nicht der Fall ist, die CEOs mithin zu viel für die übernommene Firma bezahlt haben. “Sie sind beim Kauf optimistischer, als man es sein sollte.”

Je weniger man also weiß, für desto schlauer hält man sich. “Unwissenheit erzeugt viel häufiger Selbstvertrauen als Wissen”, stellte bereits Charles Darwin fest. Und Dunning erklärt: “Es ist schwer zu wissen, dass man keine Ahnung hat. Denn wenn man wüsste, dass man von einer Sache keine Ahnung hat, wüsste man auch, was man lernen muss, um nicht länger ahnungslos zu sein.”

Aus Untersuchungen für „Pfusch am Bau“ stelle ich immer wieder folgende Bauherren-Irrtümer fest:
1. Bauen kann Jeder!
Zum Teil stimmt es sogar. Wenn es aber um Kosteneffektivität, Qualität und Bauabläufe geht, ist der Irrende hoffnungslos überfordert.
2. Ein Bauberater ist zu teuer!
Immer, aber auch wirklich immer, wird nicht erkannt, daß der Bauberater dem Bauherren ein Vielfaches seines Honorars an Kosten durch seine Erfahrung erspart. Wissen kann nur durch tägliches TUN Erfolg produzieren. Schon Goethe wußte: „Wissen ist wenig, Können ist König!“
Auch mühsam erworbenes Halbwissen schützt den Bauherren nicht vor teuren Fehlern. Dieser gutgemeinte Aufwand ist im Honorar des Bauberaters eindeutig besser investiert.
3. Der Bauherr ist nach dem Motto „Kunde ist König“ der „König“!
Falsch! Das Vorhaben ist ein partnerschaftliches Vorhaben. Der Bauherr ist Jungunternehmer in einem Haifischbecken. Ohne excellente Kommunikation mit allen Beteiligten sitzt er am kürzeren Hebel. Das kann sehr teuer werden, in jedem Fall ohne Bauberater.
4. Ich finde keinen Bauberater für meine Interessen!
a) Der Aufwand für die Suche eines solchen ist die wichtigste Anfangsinvestition.
b) mit entsprechender Achtsamkeit und Besinnung haben Sie gerade einen gefunden.
c) die Vorteile des web2.0 ersetzen z.T. die Anwesenheit vor Ort und machen Bauberatung schnell und preiswert.
5. Fachbücher und Ratgeber ersparen mir den Bauberater!
Das ist der schlimmste Irrtum. Sie wissen selbst, welchen Aufwand die Beherrschung Ihres Berufes gekostet hat. Sie kennen auch Ihren Unterschied zwischen Absolvent und erfahrener Fachkraft. Das ist beim Bauen auch nicht anders. Nur hier sind und bleiben Sie Laie. Sie bleiben Laie, weil Ihr Aufwand zum Aufwand Ihrer Berufsausbildung verschwindend gering ist. Wenn Sie aber noch mehr Aufwand in Fachbücher und Ratgeber stecken wollen, dann ist es effektiver, klüger und billiger, fehlendes Wissen mit einem Bauberater gleich einzukaufen.

Triebfeder hinter dem Effekt scheint der notorische Optimismus zu sein, der dem Menschen innewohnt. “Wir erzählen uns kleine Geschichten, wie toll das laufen wird, wenn wir zum Beispiel diese Firma kaufen”, sagt Dunning. “Wir vergessen allerdings, dass wir uns genau dieselben Geschichtchen schon beim letzten Mal erzählt haben.” Der Mensch neigt eben dazu, seine optimistischen Fehler zu wiederholen. Klar weiß er vom letzten Projekt, das in die Binsen ging. Natürlich hat man bei der letzten Übernahme zu viel bezahlt, aber jetzt denkt man nicht daran, sondern schaut frohen Herzens nach vorn.

Im Grunde ist DKE ja auch eine gute Sache. Oder sagen wir: eine Sache, die sich gut anfühlt. Der Buchautor Stefan Fatsis beschreibt das so: “Jeder mittelmäßige Scrabble-Spieler ist ein glücklicher Mensch. Er weiß nämlich nicht, wie sehr er mit jedem Spielzug versagt und wie viele bessere Wörter es gegeben hätte.” Selig sind die Ahnungslosen – aber ach, sie denken zu kurz.

Das Zauberwort zur Bekämpfung des DKE heißt also Feedback. “Man sollte unter Umständen sogar Leute fragen, von denen man weiß, dass sie anderer Meinung sind”, sagt Dunning. “Widerspruch schärft das Denkvermögen.”

Diesem klassischen Fehler unterliegen z.B. die Politiker. Ihre Wahlreden halten sie bei so wie so Gleichgesinnten. Was wollen sie also hier bewegen. Eine Wahlrede beim politischen Gegner wäre viel effektiver. Zu verlieren hat er nichts, aber seine Argumente könnten Anlaß zum Nachdenken sein. Finden Sie nicht, daß nur so echte Veränderungen erreichbar wären?

Außerdem können Menschen sich im kommunikativen Austausch helfen, ihre Wissenslücken zu schließen. Ein bisschen inkompetent sind wir nämlich alle irgendwo, aber genau da hat ein anderer sein bißchen Kompetenz, und wir kompensieren – ganz kompetent – gemeinsam.
Es ist die Erinnerung an die größte Weisheit des Philosophen Sokrates (“Ich weiß, dass ich nichts weiß“), die vor dem DKE schützt.
Dass er selbst seit elf Jahren mit dem Wissen um sein unendliches Nichtwissen leben muss, nimmt Dunning gelassen. “Seit ich weiß, dass ich eine Menge nicht weiß, geht die Sonne trotzdem noch jeden Morgen auf. Nur bin ich ein wenig vorsichtiger, mir mit etwas sicher zu sein. Und ich bin nie überrascht, wenn sich herausstellt, dass ich Unrecht hatte. Dann sage ich nur: Oh, ich lag falsch. Schon wieder.” 

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