Lebensführerschein 2

Um ein Moped fahren zu können, brauchen wir einen Führerschein. Aber für etwas so  Komplexes und Wichtiges, wie das eigene Leben, gibt es so etwas nicht. 

Sie erwerben denLebensführerschein in der Schule des Lebens.
Erinnern Sie sich!
Das Kind hat noch keine Lernprobleme. Es steckt jeden Erwachsenen in die Tasche, wenn es darum geht, Neuem zu be­gegnen, es zu analysieren und aufzunehmen! Das Kind ist neu-gierig (d.h. gierig nach Neuem! I), es ist von allem fasziniert, es will alles kennenlernen und begreifen! Es lernt die Muttersprache spielerisch und mühelos! Genau so leicht lernt es Körper-Koordination (Ballspielen, Seilhüpfen, Radfahren) oder das Hantieren mit unzähligen Gegenständen (Spielsachen, Geschirr, Besteck, TV, Kassettengeräte, Telefon, Zeichenmaterial, etc.).
Darüber hinaus lernt jedes Kind natürlich unendlich viel mehr! Weder lei­det es an einem “schlechten Gedächtnis” noch beklagt es sich über die unge­heure Menge an Informationen, die es tagtäglich verarbeiten muß! Seine Fähigkeiten zu zeichnen verbessern sich laufend, ebenso wie seine intel­lektuellen Leistungen. Und jetzt stellen Sie sich einen “typischen Erwach­senen” vor!

Angenommen, unser Planet würde von Wesen einer anderen Welt ana­lysiert, dann könnten die Außerirdischen zu folgendem interessanten Schluß kommen: Sie könnten nämlich denken, der normale erwachsene Mensch gehöre einer anderen Gattung an als das Kind, denn der Erwachsene hat die Neu-gierde weitgehend verloren!

Darum stellte John HOLT fest, kein moderner Staat bräuchte “Feinde”, denn:
Kein Feind könnte sich eine diabolischere Art uns zu schaden ausdenken als unser Schul- und Ausbildungs-System, welches auf höchst effiziente Art verhindert, daß seine Absolventen jemals ihr volles geistiges Potential ent­wickeln und nutzen können! Aber die Regierungen der westlichen zivilisierten Industrieländer wollen ja in Wirklichkeit gar keine “mündigen Bürger”, die wirklich kritisch mitdenken und, vor allem, intelligente und dringend notwendige Fragen stellen können.
Wie sieht der Geistesarbeiter aus, den unser System produziert? Nun, er meint, an einem schlechten Gedächtnis zu leiden, wiewohl es das gar nicht gibt. Jeder Mensch, der einem Gespräch ohne Probleme folgen kann und der seine Freunde auch nach Jahren wiedererkennt, hat kein schlechtes Gedächtnis.
(Vera Birkenbihl,†Dez.2011, Stroh im Kopf, S.12)

Bei den Kindern wird es leider versäumt. Wir “Erwachsenen 1. Grades” können es freiwillig nachholen. Dazu müssen wir aber die meisten Tabus unseres ersten Erziehungsprozesses über Bord werfen, schwierig genug. Aber es wird leichter mit der Lebensschule. Sie wird abgeschlossen mit dem Lebensführerschein. Und das schönste ist, es gibt keinen Prüfer und keine Prüfungsangst. Wir wissen selbst, wann wir den Lebensführerschein erworben haben.

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